Onyx live im Flex: Tour-Teaser mit 12 Stunden Vorlauf

Manche Projekte kündigen sich Wochen vorher an. Dieses kam mit einem Anruf – und dem Satz: „Könnt ihr in zwölf Stunden im Flex sein?” Onyx, die New Yorker Hardcore-Rap-Gruppe um Sticky Fingaz (einem breiteren Publikum unter anderem durch den gemeinsamen Track „Remember Me” mit Eminem bekannt), spielten in Wien. Latfro Entertainment aus Köln brauchte aus diesem Abend einen Teaser für die anstehende Tour – und zwar schnell, denn er sollte noch vor dem Tourstart online gehen und auf die einzelnen Termine einzahlen.
Für uns war sofort klar: Das wird kein Projekt, in dem man tagelang plant und ausleuchtet. Es wird eines, in dem Erfahrung, ein eingespieltes Setup und eine klare Idee über das Ergebnis entscheiden. Genau solche Situationen mögen wir.
Der Auftrag: aus einem Abend eine ganze Tour erzählen
Die eigentliche Herausforderung war nicht „ein Konzert abfilmen”. Ein Mitschnitt zeigt, was war. Ein Teaser muss zeigen, was kommt – er muss Lust auf die nächsten Shows machen, die Energie eines Onyx-Auftritts in wenige Sekunden pressen und am Ende ganz konkret die Tourdaten transportieren.
Das heißt: Wir haben von der ersten Minute an nicht in „Songs” gedacht, sondern in Momenten, die verkaufen. Der Sprung ins Publikum, die geballte Faust, die Sekunde, in der die ganze Halle denselben Text schreit. Diese Bilder sind die Währung eines Teasers – und die muss man beim Dreh bewusst jagen, nicht hinterher im Schnitt suchen.
Zwölf Stunden Vorlauf – warum schlank hier gewinnt
Bei zwölf Stunden Vorlauf ist die wichtigste Entscheidung die Ausrüstung. Ein großes Team mit aufgebauter Lichttraverse hätte hier alles langsamer und schlechter gemacht. Wir sind bewusst mit einem schlanken Setup angerückt:
- Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K Pro – kompakt, aber mit großem Sensor und viel Dynamikumfang. Gerade in dunklen Venues mit harten Bühnenlichtern ist dieser Spielraum Gold wert, und die 6K-Auflösung erlaubt es, im Schnitt nachträglich zu reframen und aus einer Einstellung mehrere Bildausschnitte zu holen.
- Canon RF 24–70 mm f2.8 – ein einziges Objektiv, das die weite Crowd genauso abdeckt wie das enge Porträt auf der Bühne. Kein Objektivwechsel im Gedränge, und die durchgehende Blende f2.8 holt genug Licht für die dunklen Ecken des Flex.
- Portable Videolichter – klein, akkubetrieben, schnell gesetzt. Für die wenigen Momente, in denen man kontrollieren kann statt nur zu reagieren.
Schlank heißt hier beweglich. Ein Operator, eine Kamera, kein Aufbau – dafür überall dort, wo es passiert: mitten in der Menge, seitlich an der Bühne, im richtigen Moment nah dran. Für einen Teaser ist genau diese Beweglichkeit oft mehr wert als drei starre Kameras.
Der Dreh im Flex
Das Flex ist einer der rauesten und schönsten Live-Orte Wiens – ein tunnelartiger Raum am Donaukanal, Beton, wenig Licht, viel Geschichte. Genau der richtige Rahmen für Onyx.
Mit nur einer Kamera zu filmen bedeutet, vorauszudenken: Wo baut sich der nächste Moment auf, wann kommt der Drop, wohin dreht sich der Artist? Man dreht nicht alles mit – man entscheidet ständig, was den Teaser trägt, und ist dafür zur richtigen Sekunde am richtigen Fleck. Handheld, nah, im Puls der Show.
Dazu kommt das Wechselspiel aus Bühne und Publikum: Ein Onyx-Konzert lebt vom Mosh, von den Händen in der Luft, vom Moment, in dem Artist und Crowd verschmelzen. Diese Reaktionen sind nicht planbar – man muss sie kommen sehen und im richtigen Augenblick draufhalten. Genau hier zahlt sich Live-Erfahrung aus: Man liest die Show wie ein Instrument und weiß, wann der nächste Ausbruch kommt.
Die hohe Auflösung der Pocket 6K Pro hat uns dabei doppelt geholfen: Was aus der Totale entstand, konnten wir im Schnitt zu Nahaufnahmen zuschneiden, ohne an Qualität zu verlieren. So wird aus einer einzelnen Perspektive im Nachhinein ein ganzer Schnittrhythmus aus Weit und Nah.
Der Onyx-Look: 3D-Logo aus Blender
Ein Konzertteaser kann aneinandergeschnittenes Material sein. Oder er kann sich anfühlen wie eine Marke. Damit der Clip nicht nur einen Abend zeigt, sondern Onyx – die Attitude, die Wiedererkennbarkeit – haben wir das ikonische Onyx-Logo (der zornige Kopf im Kreis) als 3D-Animation in Blender gebaut.
Warum 3D und keine flache Grafik? Weil ein Logo, das mit Gewicht in den Frame kracht, die Aggressivität der Musik körperlich spürbar macht. Es bekommt Materialität, fängt das Bühnenlicht ein und wird zum Ankerpunkt des Teasers – der Titel, der die einzelnen Tourdaten zusammenhält und dem Clip ein Title-Sequence-Gefühl gibt. Dieser eine Extra-Schritt hebt einen schnellen Konzertschnitt auf ein anderes Level.
Konkret hieß das: das Logo als 3D-Objekt modellieren, ihm über Material und Beleuchtung eine metallische, fast bedrohliche Anmutung geben und die Kamerabewegung so animieren, dass sie sich nahtlos in den Schnitt einfügt, statt aufgesetzt zu wirken. Weil wir Konzept, Dreh und Postproduktion in einer Hand haben, konnten wir die Animation exakt auf das gedrehte Material und den Beat abstimmen – ein Vorteil, den man bei aufgeteilten Gewerken selten hat.
Schnitt gegen die Uhr
Nach dem Dreh blieben nur wenige Tage bis zur Veröffentlichung – die Tour wartet nicht. Der Schnitt folgte einer klaren Dramaturgie: Aufbau, Ausbruch, das 3D-Logo als Signature-Moment, dann die Tourdaten, dann der Call-to-Action. Alles auf den Beat der Musik geschnitten, damit Bild und Sound zusammen einen Sog erzeugen. Wo es der Clip brauchte, haben wir das Sounddesign zusätzlich verdichtet – Impacts auf den Schnitten, ein Layer, der die Bässe trägt –, damit der Teaser auch stummgeschaltet im Feed noch etwas hermacht und mit Ton richtig zuschlägt.
Im Grading haben wir den Look bewusst hart und kontrastreich gehalten – kühl, körnig, urban, passend zur DNA von Onyx und zum Beton des Flex. Am Ende stand die finale Version rechtzeitig, sodass Latfro Entertainment sie vor Tourstart ausspielen und für die einzelnen Termine bewerben konnte. Genau das war der Job: kein Rückblick, sondern ein Werkzeug, das Tickets verkauft.
Warum solche Projekte zu uns passen
Kurzfristig, schlank, mit dem entscheidenden Extra an Handwerk – das ist die Situation, in der wir am stärksten sind. Wir filmen Konzerte, Festivals und Events und machen daraus Content, der wirklich arbeitet: Aftermovies, Tour-Teaser, Recap-Clips. Dazu gehört ein Setup, das in Minuten einsatzbereit ist, ein Auge für den einen Moment, der verkauft – und die Bereitschaft, für den Look auch mal in Blender ein 3D-Logo zu bauen oder das Sounddesign selbst zu legen.
Wenn ihr eine Show, eine Tour oder ein Event vor euch habt – auch auf den letzten Drücker – dann ist genau das unser Zuhause. Erzählt uns davon, und wir finden den schnellsten Weg zu einem Clip, der die Energie eures Abends transportiert.